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Zwei Minuten vor Schluss

Wie ein Förderantrag für sechs Sofa-Konzerte in fünf Stunden entstand – und warum Kulturarbeit mehr Herzblut braucht als man denkt.

Prismeo LAB RedaktionVeröffentlicht 16. Juni 20265 Min Lesezeit
Behind the ScenesKultur
Porträt von Mimi Schell, Hamburger Sängerin und Songwriterin, mit Hut vor einem warmen, natürlichen Hintergrund.

Manche Vorhaben beginnen mit einem Plan. Andere entstehen spontan. Wie ein Zufallsfund vielleicht zum Glücksfall wird. Ein Blick hinter die Kulissen unserer Sofa-Konzerte in der HafenCity.

Manche Vorhaben beginnen mit einem Plan. Andere entstehen spontan. Wie ein Zufallsfund vielleicht zum Glücksfall wird.

Sofa-Konzerte in der HafenCity

Es geht um unsere Sofa-Konzerte in der HafenCity: zehn Abende freier Musik im vergangenen Jahr – ein wilder Ritt zwischen Geschäftsbetrieb und persönlichen Ambitionen der Gründer des Prismeo LAB. In diesem Jahr wollten wir es professioneller angehen – aber es fehlten die Mittel. Der Anspruch: Nur sechzig Gäste. Keine große Bühne, kein Clubabend. Konzertbetrieb auf Distanz gibt es anderswo. Hier beginnt der Abend mit einem Gespräch. Beim gemeinsamen Abendessen. Danach folgt das Konzert – mitten zwischen Sofas und Sesseln. Künstler:innen und Publikum in einem Raum, der Nähe möglich macht.

Mimi Schell

Die künstlerische Leitung übernimmt Mimi Schell – und dass wir sie dafür gewinnen konnten, freut uns sehr. Mimi ist Hamburger Sängerin und Songwriterin durch und durch. Seit den Neunzigern ist sie Teil der Musikszene: mit der Band Rain For A Day, auf großen Bühnen wie dem Stadtpark, als Stimme an der Seite von Lotto King Karl und mit ihrem von Ken Stringfellow produzierten Soloalbum HELIODOR. In Hamburg hat sie sogar schon eine eigene kleine Konzertreihe getragen.

Kurz gesagt: Mimi weiß, wie man ein Format baut, in dem Musik nicht nur stattfindet, sondern erlebbar wird.

Zwei Minuten vor Schluss

Nur tragen sich solche Abende nicht von selbst. Ein intimes Konzert mit fairer Gage, sorgfältiger Vorbereitung, guter Technik, liebevoller Atmosphäre und trotzdem bezahlbaren Eintrittspreisen rechnet sich schlicht nicht von allein. Genau dafür gibt es öffentliche Kulturförderung. Und genau auf so ein passendes Programm, den Musikstadtfonds Hamburg, stieß Mimi gestern Nachmittag. Mit Einreichungsschluss am selben Abend.

Was dann folgte, war ein kleiner Lauf gegen die Uhr: Richtlinien lesen, Kosten durchrechnen, Projektbeschreibung schreiben, Vita zusammentragen, Künstler:innen benennen, Termine abstimmen, Anlagen sortieren, Formulare verstehen, Formulierungen finden. Alles an einem einzigen Nachmittag, der sich zwischendurch anfühlte wie mehrere Tage in einem.

Zwei Minuten vor Schluss war der Antrag draußen.

Was in solchen Stunden sichtbar wird

In solchen Stunden merkt man wieder, wie viel Arbeit in jedem kleinen Konzert steckt. Und wie viel Herzblut nötig ist, um Kultur dort möglich zu machen, wo sie sich wirtschaftlich nicht von selbst trägt.

„Eine kleine Bühne füllt selten eine Bilanz. Aber sie kann einen Abend füllen. Einen Raum. Einen Stadtteil. Und manchmal auch die Herzen der Menschen."

Dass es Förderprogramme gibt, ist gut und wichtig. Dass man sie erst finden, verstehen und in Formulare gießen muss, gehört zur weniger besungenen Seite der Kulturarbeit. Zwischen Idee und Musik liegt oft ein ganzer Stapel aus Kalkulationen, Nachweisen, Fristen und offenen Fragen.

Was folgt

Zur Jahreswende erfahren wir, ob der Antrag die Jury überzeugt hat. Wenn ja, stehen die Sofa-Konzerte 2027 auf festen Füßen: mindestens sechs Abende für freie Musik in der HafenCity. Nah, persönlich, lebendig.

Wir drücken die Daumen. Und wir freuen uns jetzt schon darauf, mit Mimi Schell den ersten Abend zu gestalten. Vielleicht sitzt Du dann mit dabei – ganz vorn und mittendrin.

Wenn aus einem Gedanken ein Format werden soll, zeigen wir Dir gern den passenden Raum.

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