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Raum & WirkungBehind the Scenes

KI, Hitze und ein bisschen Wunderland

Die Interessengemeinschaft HafenCity e.V. zu Gast im Prismeo LAB – ein konzentrierter Sommerabend über Künstliche Intelligenz, Unternehmertum und neue Formen des Zusammenkommens.

Prismeo LAB RedaktionVeröffentlicht 25. Juni 20267 Min Lesezeit
AbendberichtHafenCity
Tom Lerche, Sprecher der Interessengemeinschaft HafenCity e.V., im Showroom des Prismeo LAB vor der großen LED-Wand mit Fischschwarm-Motiv.
Copyright 2026 by Catrin-Anja Eichinger

Kognitive Dissonanz, künstliche Intelligenzen und echte Transformation bewegen den Hamburger Mittelstand. Wie steht es um operative Realität, was ist abstrakte Zukunftsversion?

Es war einer dieser Hamburger Sommerabende, an denen die Stadt ein wenig langsamer atmet. Über 30 Grad, stehende Luft, warme Fassaden, müde Gehwege. Von den rund 30 angekündigten Gästen fanden am Ende zwölf den Weg in die Hongkongstraße. Ein kleiner Kreis also. Aber manchmal sind gerade diese Abende die besseren: weniger Bühne, mehr Gespräch. Weniger offizieller Rahmen, mehr echtes Interesse.

Ein Ort wie ein Wunderland

«Es fühlt sich ein bisschen an, wie im Wunderland zu sein», eröffnete Tom Lerche, Sprecher der Interessengemeinschaft HafenCity e.V., den Abend im Prismeo LAB. Und wer die Räume im fünften Boden des ehemaligen Speicherhauses noch nicht kannte, verstand schnell, was damit gemeint war. Zwischen Showroom, Theater, Studio, Thinktank, Küche und weiteren kreativen Flächen öffnet sich ein Ort, der auf den ersten Blick schwer einzuordnen ist: Eventlocation, Filmstudio, Werkstatt, Salon, Denkraum, Bühne – und irgendwie alles gleichzeitig.

Gemeinsam mit den Prismeo-Gründern Jan Florian Maas und Kai Klopsch führte Lerche die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer aus der HafenCity durch die Räume. Er erzählte von renommierten Hamburger Unternehmen, die hier ihre Veranstaltungen ausrichten, von Musikern und Kreativen, von Zauberkünstlern, Initiativen und Vereinen, die im Prismeo LAB eine Heimat für Ideen, Experimente und Begegnung finden. Damit war der Rahmen für den Abend gesetzt: Künstliche Intelligenz nicht als abstraktes Zukunftsversprechen, sondern als etwas, das man anfassen, diskutieren und in den eigenen Arbeitsalltag übersetzen kann.

Tom Lerche im Gespräch während der Führung durch das Prismeo LAB, vor einem farbigen Setzkasten mit kleinen Fundstücken.
Tom Lerche führt die Gäste durch das Prismeo LAB.
Copyright 2026 by Catrin-Anja Eichinger

„Bei vielen Orten weiß man ja, was man erwartet. Aber hier hatte ich wirklich gar keine Idee, dass nun so etwas Großartiges auf mich zukommt."

– René Wolff, Inhaber HafenCity Gin

Wer den Abend trug

Zum Sprecherteam der Interessengemeinschaft HafenCity (IGH) im Netzwerk HafenCity e.V. um Tom Lerche gehören auch Minou Tikrani von Konstruktiv PR und Andreas Hiller von der Hamburger Sparkasse. Für den Abend hatten sie Gäste eingeladen, die das Thema von verschiedenen Seiten beleuchteten: unter anderem Uwe Samuels, Geschäftsführer des ebenfalls in der Hongkongstraße ansässigen Exponential Innovation Institute, sowie Pina Morgenstern von der Handelskammer Hamburg, dort im Bereich IT und Digitalisierung.

Sprecher und Gäste des Abends im Showroom des Prismeo LAB vor der großen LED-Wand, im Gespräch mit dem Publikum.
Vorstellungsrunde im Showroom: Sprecher und Gäste stellen sich dem Publikum.
Copyright 2026 by Catrin-Anja Eichinger

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Unternehmerinnen und Unternehmer in der HafenCity Künstliche Intelligenz heute schon nutzen. Nicht irgendwann. Nicht theoretisch. Sondern jetzt, im eigenen Betrieb, in der Kommunikation, in der Organisation, in der Entwicklung neuer Angebote.

KI ist längst angekommen

Schnell zeigte sich: KI ist bei den Anwesenden längst angekommen. Alle nutzen sie bereits in irgendeiner Form. Die Selbsteinschätzungen fielen jedoch sehr unterschiedlich aus. Einige arbeiten noch mit frei zugänglichen Chatbots und probieren vorsichtig aus. Andere nutzen KI bereits deutlich strukturierter für berufliche und private Aufgaben. Wieder andere sind schon so weit, dass sie Interessierte anleiten oder trainieren können.

Jan Maas von Prismeo LAB ordnete sich selbst mit einem Schmunzeln ein: «Meine KI würde über mich sagen: Ich nutze sie schon ganz gut, aber da ist auch noch ordentlich Luft nach oben.» Eine charmante Untertreibung, denn bei Prismeo arbeitet KI längst an vielen Stellen mit. Maas berichtete von einem selbst entwickelten Expertinnen-Team aus KI-Rollen, das ihn in Teilen seines Unternehmens unterstützt und unter seiner Supervision operative Aufgaben übernimmt.

Tom Lerche brachte die Beobachtung des Abends treffend auf den Punkt: Gerade diejenigen, die sich bereits intensiver mit KI beschäftigen, stufen sich oft eher vorsichtig ein. Vielleicht, weil sie den Berg schon sehen. Weil sie ahnen, wie viel noch zu lernen, zu verstehen und sinnvoll zu gestalten ist. Am Anfang steht häufig die Begeisterung über neue Werkzeuge. Dann folgt nicht selten die Ernüchterung: Eine KI ist nicht automatisch klug, nur weil sie schnell antwortet. Entscheidend sind Kontext, Ziel, gute Fragen, saubere Prozesse und die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch einzuordnen.

Souveränität, Zwillinge und Kammerangebote

Auch Uwe Samuels weitete den Blick. Er sprach über den Nachholbedarf Deutschlands im Umgang mit Künstlicher Intelligenz, über die Frage technologischer Souveränität und über die Abhängigkeit von ausländischen Modellen. Zugleich gab er einen persönlichen Einblick in seine Arbeit an einem digitalen Zwilling, seinem «Uvatar». Damit wurde ein Thema sichtbar, das weit über einzelne Tools hinausgeht: KI verändert nicht nur Arbeitsprozesse, sondern auch die Art, wie Menschen Wissen, Präsenz und Identität digital abbilden.

Pina Morgenstern stellte im Theater des Prismeo LAB die Angebote der Handelskammer Hamburg zum Thema KI vor. Der Raum selbst, ausgestattet mit feinster Multimedia-Technik, machte dabei fast beiläufig deutlich, wie sehr Präsentation, Atmosphäre und Technik zusammenwirken können. Morgenstern gab einen Überblick über die vielfältigen Programme, Veranstaltungen und Informationsangebote der Handelskammer. Sie verwies unter anderem auf den KI-Kompass ihres Teams, regelmäßige Netzwerkformate wie den KI Summit sowie auf Bildungsangebote des ARIC Hamburg und des Mittelstand-Digital Zentrums Hamburg.

Pina Morgenstern von der Handelskammer Hamburg präsentiert im Theater des Prismeo LAB die KI-Angebote der Kammer.
Pina Morgenstern stellt die KI-Angebote der Handelskammer Hamburg im Theater vor.
Copyright 2026 by Catrin-Anja Eichinger

Auch rechtliche Fragen kamen zur Sprache. Tom Lerche verstand es, selbst sperrige Themen wie Kennzeichnungspflichten bei KI mit Humor, Leichtigkeit und präzisen Fragen einzubinden. Dabei ging es unter anderem darum, welche Chancen KI-affine Unternehmen in der HafenCity haben, was echte Transformation vom bloßen Einsatz einzelner Tools unterscheidet und warum derzeit auf manchen Wahlplakaten in der HafenCity der Satz zu lesen ist: «Wir müssen raus aus der Digitalisierungsnaivität.»

Her Kitchen und ein Buffet als Gesprächspartner

Der Abend blieb dabei nicht im Technischen stecken. Ein weiterer Schwerpunkt war das Zusammenkommen selbst. Vorgestellt wurde Mikaila Ross-Godden mit ihrer Initiative Her Kitchen. Das Projekt unterstützt Frauen mit Migrationshintergrund dabei, über Kochen und Catering neue berufliche Perspektiven zu entwickeln und im besten Fall eigene unternehmerische Wege einzuschlagen. Ross-Godden erzählte von kulinarischen Einflüssen aus ihren surinamischen Wurzeln und ihren Auslandsaufenthalten, unter anderem in Myanmar. Für die Gäste hatte sie ein Buffet vorbereitet, das nicht nur begleitete, sondern selbst Teil des Abends wurde: als Einladung zum Gespräch, zum Probieren, zum Verweilen.

Gäste am Buffet der Initiative Her Kitchen mit kleinen Fingerfood-Tellern, im Hintergrund die warm gestaltete Hongkong Kitchen.
Das Buffet von Her Kitchen wurde selbst zum Gesprächspartner des Abends.
Copyright 2026 by Catrin-Anja Eichinger

So setzte sich der offizielle Teil des Abends fast nahtlos in kleinere Gesprächsrunden fort. Bei der Verkostung wurde weiterdiskutiert: über KI im beruflichen Alltag, über die Veränderung von Berufen, über Chancen für kleine und mittlere Unternehmen, aber auch über ganz private Anwendungsfelder – bis hin zum Dating. Es war ein typischer Netzwerkabend im besten Sinne: nicht steif, nicht überladen, sondern offen genug, damit Gedanken zwischen den Menschen wandern konnten.

Klein, aber konzentriert

Dass am Ende weniger Gäste kamen als angekündigt, wurde dabei fast zur Nebensache. Vielleicht sogar zum Vorteil. Die Hitze hatte den Abend verkleinert, aber nicht geschwächt. Aus einer geplanten größeren Veranstaltung wurde ein konzentriertes Treffen mit echten Gesprächen, neugierigen Fragen und einem Gefühl dafür, dass Künstliche Intelligenz nicht nur ein Thema für Konzerne, Tech-Konferenzen oder Zukunftspapiere ist.

Sie ist längst in der HafenCity angekommen. In Büros, Agenturen, Instituten, Studios, Küchen, Handelskammerformaten und kleinen Unternehmerkreisen. Und an diesem Abend auch in einem Raum, der sich für manche tatsächlich ein wenig wie Wunderland anfühlte.

Wenn aus einem Gedanken ein Format werden soll, zeigen wir Dir gern den passenden Raum.

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